Der Lindengarten im Spiegel der Geschichte

 

 

Der Lindengarten liegt an einem der früher am meisten begangenen Wanderwege der Sächsischen Schweiz, von Rathewalde durch den Amselgrund nach Rathen. Es gab eine direkte Busverbindung, mit  der man „in 62 Minuten vom Dresdner Hauptbahnhof im bequemen Autobus für 1,25 M und ohne Umsteigen zu müssen, nach Rathewalde gelangen“ konnte. Es standen Wagen bereit, die für wenig Geld zur Bastei, zum Brand oder sogar bis zum Kuhstall fuhren. 

Der Ursprung und die erste urkundliche Erwähnung im Pirnaer Amtserbbuch von 1548

Vermutlich bald nach der Besiedlung von Rathewalde und Umgebung durch Fränkische Siedler im 12. bis 13. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine erste Mühle errichtet, die sogenannte „Obermühle“. Die jeweiligen Müller besaßen meist auch das dazugehörige „Mühlengut“, ein Bauerngut nebst Feld und Wiese oberhalb des Mühlteiches. Der erste Besitzer von Mühle und Mühlengut ist aber erst 1548 im Amtserbbuch von Pirna mit Jacoff Roßig nachgewiesen, in anderen Dokumenten wird er Jacoff Rosich, Jacof Roschig oder Jacob Rosigk geschrieben. Er musste „… ein brücken vbern teich halden. Deßgleichen den fußsteigk in beßerung“. Im Gerichtsbuch von Pirna Nr. 7 ist der erste bekannte Vertrag von 1571 erhalten, als er das Gut mit der Mahlmühle seinem Sohn Barthel Rosigk „um 100 gute Schock“ verkauft. Mühle und Mühlengut blieben bis 1616 im Besitz dieser Familie, darauf folgten Christoph Leschke und Balzer Hentzschel.

 

1655 bis 1783 - Die Müllerfamilie Hahnewald (auch Hanewald geschrieben)  

Martin Hahnewald erwarb 1655 die baufällige Mühle mit dem nicht mehr funktionstüchtigen Mahlgang und das dazugehörige Mühlengut für den niedrigen Preis von 150 Gulden. Der schlechte Zustand war eine Folge der Verwüstungen, die der 30 jährige Krieg im Dorfe angerichtet hatte, nachdem die Schweden am Mittwoch, dem 3. August 1639 Rathewalde plünderten und fast vollständig niederbrannten. Auch die weiter unten gelegene nach 1570 errichtete „Niedermühle“ oder „Lochmühle“, die heutige „Rathewalder Mühle“, hat „lange Zeit wüste gelegen“. Letzter dieser Generation war Johann Gottfried Petters, der die Hahnewald- Tochter Anna Sabina geheiratet hatte.

 

1783 bis 1807 – Johann Gottfried Flügel – Besitzer von Mühle und Mühlengut

Er besaß schon seit 1765 das Bauerngut No 8, das „Flügelsche Halbhufengut“, und kaufte zusätzlich das benachbarte Mühlengut samt Teich, freiem Wasserlauf und Mühle für 400 Taler. 1801 verpachten seine Erben die Mühle an den Mühlburschen Johann George Wustmann.

 

1807 bis 1923 - Die Müllerfamilie Büttner – Erster Besitzer war Johann Gottfried Büttner  

Er kaufte im gleichen Jahr das „Flügelsche Halbhufengut“ und das „Flügelsche Mühlengut“ samt Teich und Mühle von den Erben seines Schwiegervaters. Im hohen Alter teilte er Mühle und Ländereien unter seinen Söhnen auf. Johann August Leberecht Büttner kaufte für 1.250 Taler beide Güter mit dem größten Teil Land, Carl Gottlieb Büttner für 800 Taler 3 Scheffel Feld und Wiese, sowie die Wirtschaftsgebäude Kat. Nr. 5, in die ein Mühlgang eingebaut ist. 1837 ließ er ein neues Gebäude errichten. Der Türstein dieses Hauses mit der Jahreszahl und dem Buchstaben B befindet sich heute rechtseitig in einer Mauer unterhalb vom „Lindengarten“. 

 

 

Im Laufe des  19. Jahrhunderts entwickelte sich der Fremdenverkehr enorm, viele Müller sahen im Betreiben einer Gaststätte einen willkommenen Nebenerwerb. 1852 ersuchte Carl Gottlieb Büttner um die Konzession zur Bewirtung von Gästen, die aber erst 1869 seinem Sohn Friedrich August Büttner für den Ausschank von kalten und warmen Speisen erteilt wurde. Am 15. März 1870 wurde sie durch die begehrte Konzession zum Ausschank von Branntwein ergänzt. Der sich nicht mehr lohnende Mahlbetrieb wurde daraufhin bald eingestellt, der ehemalige Mühlteich wurde zum Gondelteich.

1874 erfolgten Anbauten an das Wohnhaus, der Einbau einer Kegelbahn und der Bau eines Schlachthauses. 1887 wurde die Veranda gebaut und später erweitert, so dass auf einer Werbekarte „Räume für 300 Personen“ angeboten wurden.  „Büttners Restaurant“ erlebte von 1884 – 1923 unter Bruno Büttner und danach unter Bruno Franz seine volle Blüte.  Unter diesem Namen blieb es bis 1965 in Familienbesitz, dann verkaufte es Elsa Franz, geborene Büttner an den „HO- Kreisbetrieb Sebnitz“. Den Mühlteich schenkte sie der Gemeinde und auf dem ehemaligen Mühlengut links der Teichstraße wurden Eigenheime gebaut. 1973 erfolgte der Totalabriss des Hauses, nur die Veranda blieb erhalten und wurde seitdem als Lagerraum für Baumaterial genutzt. Im Jahr der politischen Wende 1989 sollte ein Gebäude als  Verkaufsstätte mit angeschlossener Bäckerei erbaut werden. Der „Konsum“ zog sich jedoch schnell   zurück und auch der neu gewählte Gemeinderat sprach sich dagegen aus, an den Eingang zu einem der schönsten Täler der Sächsischen Schweiz eine Kaufhalle zu setzen. An dieser Stelle sollte endlich wieder eine attraktive Gaststätte ihren Platz finden. Also wurde 1992 von der Gemeinde Rathewalde der „Lindengarten“ gebaut, der seitdem durchweg verpachtet ist. Der Name wurde von der alten HO-Gaststätte übernommen.

 

-Gunter Förster, Ortschronist Rathewalde-


Im Jahr 2006 übernahm Karsten Oberthür den Lindengarten als Pächter. In den darauffolgenden Jahren bis Januar 2019 wurden viel Herzblut, Geld und Zeit in die Gaststätte investiert. So wurden beispielsweise im Biergarten Baumaßnahmen durchgeführt, die Außenfassade neu gestrichen und im Gastraum sowie den Sanitäranlagen Renovierungs-/ Sanierungsarbeiten durchgeführt. Nach dem unerwarteten Tod von Inhaber und Chefkoch Karsten Oberthür im Februar 2019 übernahm seine bisherige Geschäftspartnerin und gute Freundin Marlies Forker die Geschäftsführung. Wir alle vermissen Karsten und seine Kochkünste und werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Kontakt

Gaststätte Lindengarten

+49 (0)35975 / 81317

info@lindengarten-rathewalde.de

Letztes Update: 02.08.2019

Öffnungszeiten

Mi.- Do. Ruhetag

Fr. - Di. 11.30 - 20.00

Sa. - So. 11.30 - 21.00